Die 10 Goldene Regeln für PowerPoint gestützte Vorträge

Punkt 1: Wir sind alle eine Familie
Punkt 2: Alles ist wichtig - alles wird gesagt
Punkt 3: Präzision zeichnet den Profi aus
Punkt 4: Schriften mit Charakter und Gewicht
Punkt 5: Nutzen Sie die Macht der Farbe
Punkt 6: Füllen Sie die Leere mit der richtigen Form
Punkt 7: Bilder sagen mehr als 1000 Worte
Punkt 8: Der Ton macht die Musik
Punkt 9: Wer kann, der kann
Punkt 10: Zeigen Sie alles, was Sie haben

Punkt 1: Wir sind alle eine Familie

Setzen Sie die Templates (Entwurfsvorlagen) aus Ihrem Officepaket für Ihre Vortragsfolien ein. Ihr Unternehmen wird sich freudig mit Ihrer Konkurrenz in die Familie der Scheinfilialen des Hauses Microsoft einordnen. Sie steigern bewusst mit populären Vorlagen den Unterhaltungswert für das Publikum. Zum nächsten Kongress gestalten Sie das Memoryspiel der höchsten Schwierigkeitsstufe wieder mit: "Welcher Vortrag kam von welchem Unternehmen bei welcher Microsoft Entwurfsvorlage?"

nach oben

Punkt 2: Alles ist wichtig - alles wird gesagt

Jeder Aspekt Ihres Vortrages ist wichtig und Sie wollen absolut alles dem Publikum antragen und auf keinen Fall durch Zwischenfragen abgelenkt werden. Schreiben Sie Ihre komplette Rede in die Folie und lesen Sie sie während des Vortrags mit dem Rücken zum Publikum von der Leinwand ab. Sprechen Sie dabei mit einer monotonen Stimme und vermeiden Sie Sprechpausen. Die Konzentration des Publikums wird an Ihrem Lippen hängen, wenn Sie leise nuschelnd in Ihrem ursprünglichen Heimatdialekt sprechen.

Punkt 3: Präzision zeichnet den Profi aus

Seien Sie präzise. Verwenden Sie nur Zahlen und Daten bis 3 Stellen nach dem Komma und werden Sie ausführlich. Gehen Sie in allen Angaben bis ins Jahr 0 anno Christi zurück. Verzichten Sie auf kein noch so kleines Detail und stellen Sie Zusammenhänge dar. Damit auch alle Daten und Details auf einer Folie erscheinen können, nutzen Sie diese bis zum Rand. Sie haben immer die Möglichkeit die Schrift einzelner Zeilen mit viel Text kleiner zu machen. Nutzen Sie sie.

Punkt 4: Schriften mit Charakter und Gewicht

In gängigen Standard-Installationen haben Sie mindestens 10 verschiedene Schriften zur Auswahl. Nutzen Sie diese Vielfalt innerhalb einer Folie aus. Abwechslung ist die Würze des Lebens und Sie finden mit Sicherheit zu jedem Begriff und Füllwort die passende Schriftart.
Sie haben 10 verschiedene Möglichkeiten wie Fett, Kursiv, einfach und doppelt Unterstrichen, Überstrichen, Durchgestrichen, Kapitälchen, Relief. schattiert und blinkend und alle Variationen der Kombination um Textstellen hervorzuheben. Sie wissen um den Grad der Gewichtung. Nuancieren Sie fein, PowerPoint hat eigens eine Vielzahl von Optionen dafür bereitgestellt.

nach oben

Punkt 5: Nutzen Sie die Macht der Farbe

Ihr Computer kann über 16 Millionen Farben darstellen. Schöpfen Sie diese Möglichkeit in seiner Fülle aus und beschränken Sie sich nicht auf einen Farbklang oder einen harmonischen Farbraum. Treiben Sie es bunt, wecken Sie alle Register der Gefühle, schließlich möchten Sie einen bewegten Vortrag. Transportieren Sie den ganzen Strauß Stimmungsfarben von jauchzend schrillpink bis trist sumpfgrau.
Nutzen Sie Komplementär-Kontraste. Überreizen Sie die Sinne Ihres Publikums. Verwenden Sie eine kleine dunkelblaue Schrift auf knallrotem Grund. Sie können sicher gehen, dass Ihrem Publikum schwindelig wird und die Buchstaben vor den Augen verschwimmen.

Punkt 6: Füllen Sie die Leere mit der richtigen Form

PowerPoint bietet in der Zeichenleiste eine Vielzahl von unterschiedlichen Formen. Schreiben Sie in farbige rote Vollflächen mit dunkler Schrift und drucken Sie in Graustufe oder Farbmodus auf Ihrem S/W-Laserdrucker das Handout aus. Ihr Publikum wird mit Spannung gerne die schwarze Schrift auf schwarzem Grund zu entziffern versuchen.

Punkt 7: Bilder sagen mehr als 1000 Worte

Illustrieren Sie Ihren Text mit Bildern. Je mehr desto besser. Auch hier hat Microsoft an Sie gedacht und zahlreiche kostenlose Stockfotos bereitsgestellt. Wenn das Bild einmal zu groß ist, lassen Sie sich davon nicht irritieren und stellen Sie es einfach in den Hintergrund hinter den Text. Ihr Publikum wird die unleserlichen Textstellen auf dem kontrastreichen Untergrund sicher gerne aus dem Bild erschließen.

nach oben

Punkt 8: Der Ton macht die Musik

Unterstützen Sie Ihren Vortrag mit multimedialen Effekten. Sie finden in Ihrem Microsoft-Paket bei einfacher Standard-Installation 16 Soundeffekte direkt über PowerPoint und optional noch einmal über 100 verschiedene Soundeffekte, die Ihren nächsten Unterpunkt mit Rasseln, Trompeten, Pauken und Lasern feierlich einläuten. Alle Ihre Unterpunkte sind gleich wichtig. Verzichten Sie daher bei keinem Unterpunkt auf den richtigen Ton. Das Sprichwort sagt, der Ton macht die Musik.

Punkt 9: Wer kann, der kann

Nutzen Sie die Möglichkeit der Animation. Ihr Vortrag wird erst so richtig dynamisch, wenn Sie pro Folie mindestens 3 verschiedene Effekte einsetzen. Bevor Sie nicht alle Effekte einsetzen konnten, haben Sie nicht gezeigt, dass Sie sich in dieser Software auskennen.

Punkt 10: Zeigen Sie alles, was Sie haben

Kalkulieren Sie pro 1/2 Stunde 30 Folien. Wenn Sie nicht mindestens 120 Folien beieinander haben, ist Ihr Vortrag noch nicht vollständig. Sollte Ihnen die Zeit knapp werden, verzichten Sie auf eine Synchronizität von Vortrag und PowerPoint-Ablauf.
Ach! Und sollte doch einmal einer eine Zwischenfrage zu einer rückliegenden Folie stellen, werden alle gerne gespannt beobachten, wie Sie die Folie durch Vor- und Zurückblättern suchen, da alle Folien die selbe Überschrift haben: den Namen der Veranstaltung.
Im Anschluß daran werden die Anwesenden mit Freude und viel Geduld sämtliche Animationen der Wörter und Grafiken abwarten, bis Sie an der alten Stelle wieder angelangt sind, um Ihren Vortrag wie geplant fortzusetzen.